Durchzogene wirtschaftliche Situation im Schweizer Privatrundfunk

Publicom-Studie im Auftrag von Branchenverbänden und Bakom

Die wirtschaftliche Situation der Privatradios und des Regionalfernsehens in der Schweiz hat sich seit der Erneuerung des Radio- und Fernsehgesetzes vor fünf Jahren klar verbessert. Für das Regionalfernsehen ist sie aber noch immer schwierig. Ohne öffentliche Unterstützung werden die meisten Regional­fernsehstationen auf absehbare Zeit nicht überlebensfähig sein. Auch viele Radios werden ihren Leistungsauftrag ohne Gebühren nicht erfüllen können.

Im Auftrag der Branchenverbände (VSP, RRR, Télésuisse) und des BAKOM untersuchte Publicom die wirtschaftliche Situation der konzessionierten Privatradios und der Regionalfernsehstationen in der Schweiz. Es galt zu berücksichtigen, dass diese wirtschaftliche Situation nicht nur von den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen bestimmt wird, sondern von weiteren Einflussfaktoren.

Abb. 1: Wirtschaftliche Einflussfaktoren Privatrundfunk

Die privaten Rundfunkveranstalter operieren zwar in sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen, für alle ist es aber gleichermassen anspruchsvoll, sich in einem Markt, der vom öffentlichen Anbieter dominiert wird, erfolgreich zu behaupten. Den meisten Veranstaltern gelingt dies mit dem erneuerten Radio- und Fernsehgesetz (RTVG), das 2007 in Kraft trat, deutlich besser als zuvor. Die Erhöhung der Gebührenanteile und die Neuordnung von Konzessionsgebieten haben wesentlich zur Verbesserung beigetragen. Die Gesamtsituation stellt sich aber für die Radios deutlich besser dar als fürs Regionalfernsehen.

Radios stehen besser da als Regionalfernsehstationen

Die Mehrheit der Privatradiostationen steht heute finanziell auf gesunden Beinen. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote beträgt 42%. Ende 2010 waren nur sechs Veranstalter unterfinanziert. Ungenügend ist jedoch bei der Mehrheit die Rentabilität. Der durchschnittliche Unternehmens-Cash Flow liegt bei nur 8%. Dabei gibt es grosse Unterschiede: Zehn Stationen, darunter auch kleine Gebührenradios, erreichen eine angemessene oder sogar hohe Rentabilität.

Abb. 2: Unternehmens-Cash Flow Regionalradio nach Veranstalterkategorien 2010

Mehr als vier Fünftel der Einnahmen stammen aus dem Werbemarkt. Insgesamt erzielten die Schweizer Privatradios 2010 über 150 Mio. Franken Werbeumsatz. Werden die Sponsoringumsätze der SRG-Radios und die Werbeumsätze der ausländischen Stationen dazugezählt, erreicht der Schweizer Radiowerbemarkt über 180 Mio. Franken.

Sehr unterschiedlich ist auch die Wahrnehmung der aktuellen wirtschaftlichen Situation aus Sicht der Radioveranstalter selber, wie die durchgeführte Befragung zeigt.

Abb. 3: Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation Privatradios (n=30)

Weniger rosig präsentiert sich die wirtschaftliche Lage des konzessionierten Regionalfernsehens. Mit 36 Mio. Franken Werbeumsatz ist ihre Bedeutung im Werbemarkt sehr gering. Entsprechend stärker sind sie auf Gebühren angewiesen, die 2010 zwei Fünftel der Einnahmen ausmachten. Dennoch ist die Hälfte der Regionalfernsehstationen Ende 2010 unterfinanziert, und die Rentabilität der meisten Stationen ist mit einem durchschnittlichen Cash Flow von 4% ungenügend. Nur zwei Stationen erreichten eine genügende Rentabilität.

Abb. 4: Unternehmens-Cash Flow Regionalfernsehen nach Veranstalterkategorien 2010

Obwohl für den konzessionierten Schweizer Privatrundfunk im Werbemarkt noch Potenzial besteht, sind die Entwicklungsmöglichkeiten limitiert. Dies hat vor allem mit der starken Stellung der SRG zu tun, die über mehr als sechsmal so viele Mittel verfügt wie die Gesamtheit der konzessionierten privaten Radio- und Fernsehveranstalter.

Download:
Bericht zur Studie
(in deutscher Sprache)
Rapport de l’étude
(en français)
Communiqué en français

 

3 thoughts on “Durchzogene wirtschaftliche Situation im Schweizer Privatrundfunk

  1. Die limitierten Entwicklungsmöglichkeiten der privaten Regional-TV-Veranstalter auf dem Werbemarkt hat nicht primär nur mit der SRG etwas zu tun, sondern auch mit der Tatsache, dass ein beträchtlicher Anteil der TV-Werbeeinahmen von den Werbefenster der ausländischen privaten TV-Veranstalter absorbiert wird. Dieser Tatsache wird im Bericht praktisch keine Rechnung getragen und nur am Rande erwähnt.

    • Die Werbefenster setzten 2010 die Hälfte der SRG um, nämlich rund 200 Mio. Franken. Die SRG hat für ihre Fernsehprogramme insgesamt (inkl Gebühren) aber 1,2 Milliarden Franken zur Verfügung. Die privaten Regionalsender alles in allem 80 Mio. Diese Grössenverhältnisse sind es, die es bei den Entwicklungschancen des Regionalfernsehens zu berücksichtigen gilt. Die Werbefenster spielen auch eine Rolle, aber nur eine vergleichsweise untergeordnete.

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