Orakel
wollen wir keine sprechen, wohl aber den Medienmarkt scharf beobachten.
Deshalb fühlen wir regelmässig rund 40 Experten
aus der Kommunikationswirtschaft und der Medienwissenschaft den
Medienpuls.
Übrigens: Warum das DELPHInarium
weniger mit Meeressäugern, als vielmehr mit Forschungsmethoden
zu tun hat.
Teilen Sie uns Ihre Meinung
zur DELPHInarium-Frage mit.
DELPHInarium 1/2003
Ungewisse Zukunft für "Paid Content"
Schweizer Medienunternehmen müssen sich noch gedulden bis sie mit Online-Angeboten substanziellen Ertrag erwirtschaften.
In den nächsten fünf Jahren wird es ihnen kaum gelingen, mindestens 10 Prozent des Gesamtumsatzes
mit bezahlten Internet-Inhalten zu bestreiten.
Die Bereitschaft der Internet-Nutzer für Inhalte zu bezahlen nimmt tendenziell zu.
Doch die Meldungen vom Markt sind widersprüchlich. Während in den USA
der Umsatz für "Paid Content" (kostenpflichtige Web-Inhalte) im letzten Jahr um 95%
auf 1,3 Mrd US$ zugelegt haben soll, sind die Erfahrungen grosser Medienhäuser
in Europa eher ernüchternd. Auch in der Schweiz ist die Skepsis gross, wie
das DELPHInarium-Panel zeigt.
Die Mehrheit der Befragten beurteilt die Aussichten, innerhalb der nächsten fünf
Jahre mindestens 10 Prozent des Gesamtumsatzes mit Bezahlinhalten bestreiten zu können
als "schlecht" oder "sehr schlecht". Nur jeder vierte schätzt die Aussichten, dieses Ziel zu erreichen,
als (sehr) gut ein.
Abbildung 1: Wie beurteilen Sie generell die Aussichten
von Schweizer Medienunternehmen innerhalb der nächsten 5 Jahre mit "Paid Content" substanziellen Ertrag
(= mindestens 10% vom Gesamtumsatz) zu erwirtschaften? (n=29)
Die klassischen Medien sind dabei in einer noch ungünstigeren Ausgangslage als die selbstständigen Webportale. Diesen räumt man noch am ehesten Chancen ein, Nutzer an sich zu binden, die bereit sind, für Inhalte zu bezahlen. Am wenigsten traut man dies den elektronischen Medien, Radio und TV, zu. Bessere Aussichten gestehen die Befragten den Zeitungen zu.
Abbildung 2: Wie beurteilen Sie die Aussichten verschiedener
Mediengattungen mit kostenpflichtigen Web-Angeboten Geld zu verdienen? (n=29)
Kaum Potenzial für blosse Zweitverwertung von Inhalten
Bei welchen Inhalten bestehen die besten Chancen, dass Online-Kunden etwas bezahlen?
Am häufigsten werden der Archiv-Zugang und die Rubriken-Anzeigen genannt.
Dabei ist aber zu bedenken, dass ersteres wohl kaum je ein Massengeschäft werden
wird und letzteres bloss eine Verlagerung von Umsatzanteilen ist.
Abbildung 3: Für welche Inhalte sehen Sie am ehesten Potenzial? (n=29)
Ebenfalls gute Chancen werden spezialisierten Business- und Investment-Infos eingeräumt, sowie Kontaktanzeigen bzw. Dating-Angeboten. Auch digitalisierte Musik- und Videoangebote sollen sich für die Online-Vermarktung eignen, insbesondere wenn die "Medienhäuser noch stärker internationalisieren und sich so die Potenziale der multimedialen Informationsangebote erschliessen".
Klar wird aber, dass der Traum vom Geldverdienen durch die blosse Zweitverwertung von Inhalten wohl kaum je Realität wird. Die elektronische Vorab-Ausgabe des Spiegels z.B. ist nur etwa 1000 Surfern jede Woche Geld wert. Auch das DELPHInarium ist diesbezüglich sehr skeptisch. Nur wenige sind der Ansicht, dass sich allgemeine News via Internet verkaufen lassen können. Ein Teilnehmer warnt denn auch: "Die Blindheit mit der sich viele Zeitungsverleger schon wieder auf die Option E-Paper stürzen, gibt zu denken (...). Nicht alles, was technisch möglich ist, bringt auch Geld".
Acht Umsatzprozente bis 2010
"Paid Content" wird noch auf Jahre hinaus ein Nebengeschäft für die Medienunternehmen bleiben.
Bis 2010, prognostizieren die DELPHInarium-Teilnehmer ein Umsatzwachstum der bezahlten Web-Inhalte auf
durchschnittlich acht Prozent. Die Medienunternehmen tun also gut daran, auf die Qualität ihrer Kernprodukte zu setzen, und ihre Online-Aktivitäten vorerst noch als Marketing-Investitionen zu betrachten.
Abbildung 4: Wie hoch wird der durchschnittliche Umsatzanteil sein, den Schweizer Medienhäuser im Jahr 2010 mit "Paid Content" erwirtschaften?
(n=29)

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