Orakel
wollen wir keine sprechen, wohl aber den Medienmarkt scharf beobachten.
Deshalb fühlen wir regelmässig rund 40 Experten
aus der Kommunikationswirtschaft und der Medienwissenschaft den
Medienpuls.
Übrigens: Warum das DELPHInarium
weniger mit Meeressäugern, als vielmehr mit Forschungsmethoden
zu tun hat.
Teilen Sie uns Ihre Meinung
zur DELPHInarium-Frage mit.
Veröffentlichungen - auch auszugsweise - nur unter korrekter Quellenangabe (Publicom AG, Medienforschung und -beratung) zulässig!
DELPHInarium 2/2005
Experten erwarten Zunahme der Mediennutzung und Boom der mobilen Medien
Von René Grossenbacher, Publicom AG, Zürich-Kilchberg
Bis 2010 erwarten die Experten des DELPHInariums eine Zunahme der Mediennutzung.
Nicht alle Mediengattungen werden aber in gleichem Masse davon profitieren.
Als treibende Faktoren der Entwicklung sehen die Medienexperten in erster Linie die mobile Kommunikation.
In den letzten zehn Jahren hat die Mediennutzung in der Schweiz nur geringfügig zugenommen.
Trifft die Prognose der DELPHInarium-Experten zu, soll sich diese Entwicklung in den nächsten fünf Jahren beschleunigen.
Vier von fünf der befragten Medienexperten sind nämlich der Meinung, dass die Mediennutzung bis 2010 zunehmen wird, nur jeder Fünfte erwartet eine Stagnation, und einen Rückgang hält niemand für wahrscheinlich.
Umverteilung der Publikumsanteile erwartet
Gute Zeiten für die Medien demnach? Ja, aber nicht für alle.
Denn die Experten erwarten gleichzeitig eine beträchtliche Umverteilung der Publikumsanteile: Fast unisono herrscht die Ansicht, dass vor allem Internet und mobile Medien von einer Mehrnutzung profitieren. Einen Rückgang sehen die meisten Befragten hingegen bei den Printmedien und beim Kino. Beim Radio erwartet die Mehrheit eine Stagnation, während die Meinungen bezüglich der (klassischen) TV-Nutzung auseinandergehen.
Abbildung 1: Welche Medien werden 2010 mehr, weniger oder gleichviel genutzt wie heute?(n=32)
Mobilkommunikation als Treiber der Entwicklung
Als Grund für die erwartete Nutzungszunahme orten die DELPHInarium-Teilnehmer primär die mobile Kommunikation. Aber auch die Digitalisierung von Radio und Fernsehen, die Medienkonvergenz und die Tendenz zu Gratismedien werden die Mediennutzung in den nächsten fünf Jahren erheblich beeinflussen.
Abbildung 2: Welche Entwicklungen werden die Mediennutzung am stärksten beeinflussen? (Mehrfachantworten)(n=32)
Digitale Medien und Gratiszeitungen bedrängen abonnierte Presse
Einen starken Aufwärtstrend sehen die Befragten für die Online-Portale, Gratiszeitungen und mobile Informationsdienste, während dem Handy-TV ebenfalls Potenzial eingeräumt wird. Schlechte Karten scheinen indessen die abonnierten Tageszeitungen zu haben: Fast alle Experten sind nämlich der Ansicht, dass diese am stärksten unter den Entwicklungen im Rezipientenmarkt zu leiden haben. Etwas überraschend wird an zweiter Stelle das SRG-Fernsehen genannt, dessen Zukunftsfähigkeit offenbar ebenfalls angezweifelt wird.
Es wird jedoch auch deutlich, dass Voraussagen zur Mediennutzung mit erheblichen Unsicherheiten belastet sind. Ein Experte weist nämlich zu Recht darauf hin, dass "die Grenzen der klassischen Mediengattungen zunehmend aufgeweicht werden". Daher geraten auch die Medien-Definitionen durcheinander. Wir werden es deshalb möglicherweise in Zukunft sehr viel häufiger mit hybriden Formen der Medienkommunikation zu tun haben, deren Publikumserfolg sich allerdings erst noch weisen muss.
Abbildung 3:
Welche Mediengattungen werden von den Entwicklungen am Rezipientenmarkt am meisten profitieren, welche werden am stärksten zu leiden haben? (Mehrfachantworten) (n=32)

|