Orakel
wollen wir keine sprechen, wohl aber den Medienmarkt scharf beobachten.
Deshalb fühlen wir regelmässig rund 40 Experten
aus der Kommunikationswirtschaft und der Medienwissenschaft den
Medienpuls.
Übrigens: Warum das DELPHInarium
weniger mit Meeressäugern, als vielmehr mit Forschungsmethoden
zu tun hat.
Teilen Sie uns Ihre Meinung
zur DELPHInarium-Frage mit.
Veröffentlichungen - auch auszugsweise - nur unter korrekter Quellenangabe (Publicom AG, Medienforschung und -beratung) zulässig!
DELPHInarium 2/2007
Handy TV - kein Massenmedium
Von Thomas Forsberg, Publicom AG, Zürich-Kilchberg
Eine deutliche Mehrheit der DELPHInarium-Experten ist sich einig, dass Handy TV kein Flop wird.
Es wird sich aber am ehesten für spezielle Zielgruppen durchsetzen.
Die Bedrohung der "klassischen Medien" bleibt gering. Profitieren werden nach Expertenmeinung vor allem die Netzbetreiber.
Netzbetreiber und Content-Anbieter setzen grosse Hoffnungen in Handy TV.
Ob sich dieses Medium jedoch durchsetzen wird, ist noch umstritten.
Für das DELPHInarium-Panel steht jedoch fest,
dass sich in den nächsten fünf Jahren kein Massenmarkt entwickeln wird.
Für spezielle Zielgruppen
Die stärkste Zustimmung erhält die Aussage, dass sich das Handy TV in speziellen Zielgruppen durchsetzen wird.
Voraussetzung hierfür ist laut knapp der Hälfte der Experten allerdings, dass bessere Technologien zur
Verfügung stehen müssen.
Keiner der DELPHInarium-Experten stimmt vorbehaltlos der Aussage zu, dass Handy TV ein Flop wird.
Abbildung 1: Handy TV…
(Skala 1 bis 6; 1="überhaupt nicht einverstanden, 6="voll und ganz einverstanden", n=31)
Aktuelle Inhalte eignen sich am besten
Neun von zehn der befragten DELPHInarium-Experten beurteilen aktuelle Inhalte wie News und Wetter als besonders Handy TV-geeignet.
Abbildung 2: Für welche Inhalte eignet sich Handy TV? (n=31)

Das Handy TV wurde u.a. In Zusammenhang mit grösseren Sport-Events gepusht (etwa Fussball-WM).
Knapp drei Viertel der DELPHInarium-Experten halten das Handy TV-Format zu diesem Zweck durchaus für geeignet.
Finanzierung durch Sponsoring und Werbung
Die meisten DELPHInarium-Experten sehen in Sponsoring oder Werbung die aussichtsreichsten Finanzierungsformen.
Als deutlich weniger wahrscheinlich wird die direkte Finanzierung durch die Benutzer eingestuft.
Während immerhin etwa zwei Drittel eine fixe Abrechnung mittels "Flat Rate" für sehr oder eher wahrscheinlich hält,
glaubt nur ein Drittel der DELPHInarium-Experten an eine direkte Belastung nach Nutzung (Zeit oder Datenmenge).
Die heute gebräuchlichste Finanzierungsform scheint demnach am wenigsten zukunftsträchtig zu sein.
Abbildung 3:
Welche Finanzierungsformen sehen Sie? (n=31)
Wenig Konkurrenz für bestehende Medien
Die potenzielle Gefährdung bestehender Mediengattungen durch das Handy TV, z.B. durch Verluste im Rezipienten- und Werbemarkt,
ist nach Einschätzung der Experten gering. Knapp die Hälfte der Panel-Teilnehmer meint, dass gar keines der Medien Verluste
erleiden wird. "Das Ausmass wird keine messbaren Verschiebungen ergeben", so die Aussage eines Experten. Wenn, dann hätten
am ehesten Pendlerzeitungen etwas zu befürchten,
vermutlich weil diese der mobilen "Nutzungs- und Zeitlückenfüller-Funktion" des Handy TV am nächsten kommt.
Abbildung 4: Welche Medien werden unter allfällig zunehmender Nutzung von Handy TV am meisten zu leiden haben (Verluste im Rezipienten- und Werbemarkt)?
(n=31)
Medienunternehmen profitieren kaum
Einerseits sind nach Experten-Meinung die bestehenden Medien vom Handy TV nur wenig gefährdet.
Andererseits sollten sie sich wohl auch keine allzu grossen Hoffnungen machen, Profit aus einem etwaigen "Handy TV-Boom" zu schlagen.
Acht von zehn der DELPHInarium-Experten sind nämlich der Ansicht, dass nicht die Medien,
sondern vor allem Netzbetreiber und Handy-Hersteller von einem etwaigen Durchbruch des
Handy TV profitieren würden.
Abbildung 5: Angenommen, Handy TV findet ein grösseres Publikum, welche Akteure profitieren am meisten?
(n=31)

|