Orakel wollen wir keine sprechen, wohl aber den Medienmarkt scharf beobachten. Deshalb fühlen wir regelmässig rund 40 Experten aus der Kommunikationswirtschaft und der Medienwissenschaft den Medienpuls.

Übrigens: Warum das DELPHInarium weniger mit Meeressäugern, als vielmehr mit Forschungsmethoden zu tun hat.

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DELPHInarium 2/2002

Staatliche Eingriffe unerwünscht

Nur eine Minderheit der DELPHInarium-Teilnehmer sieht in der zunehmenden Medienkonzentration ein Problem, dem mit medienpolitischen Massnahmen begegnet werden sollte.


In der Schweiz gibt es immer mehr Regionen mit marktdominierenden Medienanbietern, d.h. ein einziges Medienunternehmen beherrscht die regionale Tageszeitung, das Lokalradio und das regionale Fernsehen. Die Medienbranche selbst zeigt sich von dieser Entwicklung wenig beeindruckt. "Ich sehe darin eine natürliche Entwicklung, die weder problematisch noch vorteilhaft ist. Probleme entstehen erst, wenn die Monopolsituation ausgenutzt wird", meint einer der Befragten, und gibt damit die Mehrheitsmeinung des DELPHInariums recht gut wieder. Nur jeder Dritte beurteilt die Medienkonzentration als problematisch, und sogar nur jeder achte ist der Ansicht, die Medienpolitik müsse dem Problem aktiv begegnen.

Medienkonzentration hat auch positive Effekte
Eine kleine Minderheit sieht das Phänomen sogar vorwiegend positiv, andere können ihm zumindest positive Seiten abgewinnen: "Die Entwicklung ist offenbar unvermeidlich. Lieber grosse starke Unternehmen mit einem starken publizistischen Potenzial, als viele kleine, die in erster Linie SDA-Meldungen publizieren und damit eine Scheinvielfalt vortäuschen." Einige weisen aber darauf hin, dass die Unabhängigkeit der einzelnen Redaktionen untereinander bzw. die Trennung der publizistischen von der kommerziellen Leitung unbedingt gewahrt sein müsse.

Die These, wonach starke regionale Medienunternehmen dazu beitragen, die Expansionsgelüste ausländischer Anbieter in Schach zu halten, scheint seit den Gesprächen zwischen Ringier und Springer etwas angekratzt zu sein. So möchte etwa ein Teilnehmer vor allem die grossen Verlagshäuser ("Tamedia, NZZ und Ringier") nicht zu mächtig werden lassen, da sonst bei einer allfälligen Übernahme durch einen internationalen Medienkonzern ein Grossteil der schweizerischen Medienlandschaft ausländisch beherrscht würde.

Abbildung 1: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der zunehmenden Medienkonzentration in der Schweiz?

Experten setzen auf Selbstregulierung
Auf die Frage nach allfälligen Therapiemassnahmen nennt gut die Hälfte Selbstregulierungsorgane wie z.B. den Presserat. Ebenfalls eine grössere Gruppe sieht in der Rundfunkpolitik ein mögliches Instrument, um Gegensteuer zu geben, etwa durch Bevorzugung unabhängiger Programmanbieter bei Konzessionsentscheiden, oder indem Gelder aus dem Gebührensplitting nur an Zweitanbieter ausgeschüttet werden. Knapp ein Drittel kann sich auch vorstellen, dass unabhängige regionale Medienombudsleute ein Auge auf die regional dominierenden Medienunternehmen werfen. Nicht Wenige sind allerdings der Meinung, dass von staatlichen Interventionen gänzlich Abstand genommen werden müsste, sei es aus ideologischen ("Je weniger Regulierung, desto besser funktionieren Gesellschaft und Medien.") oder ökonomischen ("Sie sind illusorisch, die wirtschaftlichen Zwänge sind grösser") Gründen.

Abbildung 2: Welche Massnahmen wären geeignet, um die Medienvielfalt zu sichern?