Berufsaussichten im Printjournalismus

DELPHInarium 1/2009

Abbildung 1: Wie beurteilen Sie alles in allem die Qualität der Kommunikationsausbildung in der Schweiz hinsichtlich der Anforderungen der Praxis und des Arbeitsmarktes? (n=28)
Abbildung 2: Hier einige Meinungen zur aktuellen Situation. Bitte geben Sie an, inwiefern Sie mit jeder einzelnen Aussage einverstanden bzw. nicht einverstanden sind (Skala 1 bis 6; 1="überhaupt nicht einverstanden, 6="voll und ganz einverstanden", n=26)
Abbildung 3: Welche der folgenden Ausbildungsstätten schaffen die besten Voraussetzungen für eine spätere Karriere in Kommunikation und Medien? (n=26)
Abbildung 4: Nachstehend sind einige Kommunikationsberufe aufgelistet. Wie beurteilen Sie die Aussichten für Absolventen in den einzelnen Berufen? (n=26)
 

Immer mehr Absolventen von kommunikations-wissenschaftlichen Studiengängen drängen in einen Markt, der in der Wirtschaftskrise massiv unter Druck geraten ist. Doch die DELPHInarium-Experten bleiben optimistisch: Sie sehen weiterhin gute Berufschancen für ausgebildete Medienfachleute – allerdings nicht in den klassischen Medien.

Seit dem Internet-Hype rüsten Universitäten und Fachhochschulen ihre Ausbildungskapazitäten im Fach Kommunikations- und Medienwissenschaft massiv auf, und immer mehr Absolventen drängen in die Märkte. Auf der anderen Seite ist der Werbemarkt seit dem Hype-Jahr 2000 rückläufig, und der Strukturwandel der Branche schreitet weiter voran.

Mit den Berufsaussichten der Absolventen von kommunikations- und medienwissenschaftlichen Fachausbildungen in der Schweiz befasste sich das aktuelle DELPHInarium-Expertenpanel.

Qualität der Kommunikationsausbildung überzeugt nicht

Etwas mehr als die Hälfte der befragten Experten ist von der Qualität der Kommunikationsausbildung in der Schweiz nicht überzeugt. Das Ausbildungsangebot sei demnach „Teils gut, teils weniger gut“ bis hin zu „ziemlich schlecht“. Nur etwa jeder siebte Experte hält die Ausbildung in der Schweiz für „sehr gut“. (Siehe Abbildung 1, oben)

Die Gründe für das zwiespältige Urteil sind aber nicht eindeutig: Einzelne zweifeln an der Ausbildungsqualität der Fachhochschulen, andere kritisieren den mangelnde Praxisbezug der universitären Studiengänge. Dass angesichts des rasanten Strukturwandels der Branche auch die Ausbildung Anpassungsschwierigkeiten bekundet, dürfte aber nicht weiter erstaunen.

Wenn nötig, die Branche wechseln

Trotz der skeptischen Beurteilung der Ausbildungsqualität, ist die Einschätzung der beruflichen Chancen der Absolventen dieser Ausbildungsgänge durchwegs optimistisch.

Die meisten der DELPHInarium-Experten denken, dass ausgebildete Medienfachleute gute Berufschancen haben, sei es in der Medienbranche selbst oder woanders. Kurzfristig werde sich der Arbeitsmarkt zwar verschlechtern, aber längerfristig bestehen gute Aussichten. Kommunikation und Medien seien nach wie vor Wachstumsmärkte. Ausserdem sind Kommunikationsfachleute polyvalent und kommen – nach mehrheitlicher Experten-Meinung – auch leicht in anderen Branchen unter, falls nötig. Kaum Zuspruch findet die Ansicht, dass die Bildungspolitik versagt habe und dass zu viele Fachleute ausgebildet würden. (Siehe Abbildung 2, oben)

Karriere auf verschiedenen Wegen möglich

Ein Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft an einer Universität oder Fachhochschule und/oder eine Ausbildung an einer privaten Fachschule bieten gemäss den Experten die besten Voraussetzungen für eine spätere Karriere in Kommunikation und Medien. Als deutlich weniger Erfolg versprechend wird ein Studium der Wirtschaftswissenschaften beurteilt. Offenbar befähigt ein breites, vielseitiges Wissen besser, die Herausforderungen der Branche zu meistern, als eine engere wirtschaftsbezogene Fachausbildung. Dabei ist es weniger entscheidend, ob die Ausbildung im universitären Rahmen stattfindet oder an anderen geeigneten Ausbildungsinstituten. (Siehe Abbildung 3, oben)

PR und New Media bieten die besten Chancen

Die klassischen Medien und die Werbung sind „out“, „in“ sind dafür Public Relations und New Media. Gut drei Viertel der Panelisten sind der Meinung, dass Absolventen im Bereich Public Relations/Unternehmenskommunikation beruflich „ziemlich gute“ bis „sehr gute“ Aussichten haben. Fast ebenso Erfolg versprechend sind Betätigungen in den neuen digitalen Medien: Mindestens zwei von drei der DELPHInarium-Experten beurteilen die Aussichten in den Bereichen Web Publishing /–Design, Online-Journalismus oder als Multimedia Producer als „ziemlich gut“ bis „sehr gut“. (Siehe Abbildung 4, oben)

Als deutlich weniger aussichtsreich gelten die klassischen Medienberufe in Radio, Fernsehen, Presse oder in der Werbung, und auch die Medienforschung erscheint wenig attraktiv. Ganz am Schluss der Chancen-Rangliste erscheint der Printjournalismus, dem die DELPHInarium-Experten kaum noch Kredit einräumen. Das Ergebnis zeigt auch sehr eindrücklich die Richtung des Strukturwandels in Medien und Kommunikation.

 
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